Auf einen Blick
- Ein Schlaganfall entsteht durch eine Durchblutungsstörung oder eine Blutung im Gehirn und kann je nach Ort und Ausmaß sehr unterschiedliche Folgen haben.
- Eine Schluckstörung, Dysphagie genannt, ist eine häufige Folge und kann dazu führen, dass Speichel oder Nahrung in die Lunge gelangen.
- Eine Trachealkanüle schützt bei schwerer Schluckstörung die Atemwege und erleichtert das Absaugen von Sekret.
- Ob die Kanüle wieder entfernt werden kann, wird im Rahmen der Potenzialerhebung nach der AKI-Richtlinie regelmäßig ärztlich geprüft.
- Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie können auch nach der Reha im Hausbesuch weitergeführt werden.
Wenn ein Schlaganfall Schlucken und Atmen beeinträchtigt
Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend durchblutet, entweder durch ein verstopftes Gefäß oder durch eine Blutung. Welche Fähigkeiten verloren gehen, hängt davon ab, welche Hirnregion betroffen ist.
Ist der Hirnstamm oder sind große Teile beider Hirnhälften betroffen, kann die komplexe Steuerung des Schluckens gestört sein. Diese Schluckstörung (Dysphagie) führt dazu, dass Speichel, Getränke oder Essen in die Luftröhre gelangen. Fachleute sprechen von Aspiration. Wenn gleichzeitig der Hustenreflex schwach ist, kann daraus eine Lungenentzündung entstehen.
Um die Atemwege zu schützen, wird in der Klinik manchmal eine Trachealkanüle eingesetzt. Sie ermöglicht es, Sekret gezielt abzusaugen. Eine geblockte Kanüle hat einen kleinen Ballon, der die Luftröhre abdichtet und so vor Aspiration schützt.
Kanülenmanagement: das Ziel ist oft die Entwöhnung
Bei vielen Menschen nach Schlaganfall ist die Trachealkanüle nicht als Dauerlösung gedacht. Mit fortschreitender Erholung kann sich das Schlucken bessern. Dann wird schrittweise geübt: Der Ballon wird zeitweise entblockt, ein Sprechventil aufgesetzt, die Zeiten ohne Blockung verlängert.
Dieses Trachealkanülenmanagement ist Teamarbeit zwischen Arzt, Logopädie und Pflege. Die Pflegekraft beobachtet dabei genau: Hustet der Mensch beim Entblocken? Muss mehr abgesaugt werden? Wie ist die Sauerstoffsättigung?
Die AKI-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses schreibt vor, dass bei Menschen mit Trachealkanüle vor der Verordnung außerklinischer Intensivpflege und danach regelmäßig ärztlich geprüft wird, ob eine Entwöhnung möglich ist. Mehr dazu im Ratgeber AKI-Verordnung und im Ratgeber Leben mit Trachealkanüle.
Weitere Folgen, die den Alltag prägen
Ein schwerer Schlaganfall betrifft selten nur das Schlucken. Häufig kommen weitere Einschränkungen hinzu:
- Halbseitenlähmung: Arm und Bein einer Körperseite sind geschwächt oder gelähmt. Lagerung und Mobilisation nach therapeutischen Konzepten helfen, Fehlhaltungen zu vermeiden.
- Sprach- und Sprechstörungen: Bei einer Aphasie ist das Sprachverständnis oder das Finden von Worten gestört. Kurze Sätze, Geduld und Gesten erleichtern die Verständigung.
- Wahrnehmungsstörungen: Manche Betroffene nehmen eine Körper- oder Raumseite kaum wahr. Pflegekräfte sprechen sie deshalb bewusst von der betroffenen Seite an.
- Stimmung: Niedergeschlagenheit nach einem Schlaganfall ist häufig und sollte ärztlich angesprochen werden.
Die Ernährung erfolgt bei schwerer Dysphagie oft zunächst ganz oder teilweise über eine PEG-Sonde.
Nach der Reha: Therapie geht weiter
Nach der neurologischen Rehabilitation ist die Erholung nicht abgeschlossen. Viele Menschen machen auch danach noch Fortschritte, wenn die Therapie weitergeht. Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie können ärztlich verordnet und als Hausbesuch durchgeführt werden, zu Hause ebenso wie in einer Wohngemeinschaft.
Die Pflege setzt das Geübte im Alltag fort: die Schluckposition beim Essen, die richtige Lagerung des gelähmten Arms, die Übung beim Aufstehen. So werden Therapie und Pflege zu einem durchgehenden Programm.
Der Übergang von der Reha nach Hause oder in eine Intensiv-WG sollte früh geplant werden. Unser Ratgeber Überleitung aus der Klinik zeigt, welche Schritte wann anstehen. Wird die Kanüle später entfernt, kann die Versorgung oft in ambulante Pflege übergehen.
Quellen
Allgemeine Information, Stand September 2026. Ersetzt keine ärztliche Beratung.





