Auf einen Blick
- COPD ist eine chronische Lungenerkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft verengt sind und die Lunge überbläht sein kann.
- Im fortgeschrittenen Stadium kann die Atemmuskulatur erschöpfen, sodass Kohlendioxid im Blut ansteigt und eine nicht-invasive Heimbeatmung ärztlich verordnet wird.
- Die meisten Menschen mit COPD und Heimbeatmung werden über eine Maske beatmet, eine Trachealkanüle ist nur bei einem Teil nötig.
- Außerklinische Intensivpflege nach § 37c SGB V kommt in Frage, wenn jederzeit eine lebensbedrohliche Situation eintreten kann und eine Pflegefachkraft ständig anwesend sein muss.
- Bei Beatmung oder Trachealkanüle schreibt die AKI-Richtlinie vor der Verordnung eine ärztliche Potenzialerhebung vor, die prüft, ob eine Entwöhnung möglich ist.
Was bei fortgeschrittener COPD in der Lunge passiert
COPD steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankung. „Obstruktiv“ bedeutet, dass die Atemwege dauerhaft verengt sind. Häufig kommt ein Lungenemphysem hinzu: Die Lungenbläschen verlieren ihre Elastizität, die Luft bleibt beim Ausatmen teilweise in der Lunge gefangen.
Im Verlauf muss die Atemmuskulatur immer mehr leisten. Irgendwann kann sie erschöpfen. Dann wird nicht mehr genug Kohlendioxid abgeatmet, Ärzte sprechen von einer hyperkapnischen Atemschwäche. Typische Zeichen sind Kopfschmerzen am Morgen, starke Müdigkeit tagsüber, Unruhe in der Nacht und Atemnot schon bei kleinen Anstrengungen wie Anziehen oder Waschen.
Akute Verschlechterungen, sogenannte Exazerbationen, etwa durch Infekte, können zu Klinikaufenthalten führen. Nach einer solchen Phase stellt sich für viele Familien zum ersten Mal die Frage, wie es zu Hause weitergehen kann.
Heimbeatmung bei COPD: Maske oder Trachealkanüle
Bei COPD wird eine dauerhafte Atemunterstützung meist als nicht-invasive Beatmung (NIV) begonnen. Das Beatmungsgerät arbeitet dabei über eine Nasen- oder Mund-Nasen-Maske, häufig nachts und in Ruhephasen am Tag. Ziel ist es, die erschöpfte Atemmuskulatur zu entlasten und das Kohlendioxid zu senken.
Reicht die Maskenbeatmung nicht mehr aus, wird sie nicht vertragen oder ist nach einer schweren Krise eine Entwöhnung vom Beatmungsgerät nicht gelungen, kann eine invasive Beatmung über eine Trachealkanüle nötig werden. Die Kanüle ist ein kleines Röhrchen, das über einen Schnitt am Hals direkt in die Luftröhre führt.
Welche Form passt, entscheiden Lungenfachärzte oder ein Beatmungszentrum. Mehr zu Geräten, Masken und Alltag lesen Sie in unserem Ratgeber Heimbeatmung.
Wann aus Pflege Intensivpflege wird
Nicht jeder Mensch mit COPD und Heimbeatmung braucht eine Pflegefachkraft rund um die Uhr. Wer die Maske selbst auf- und absetzen kann und stabil ist, kommt oft mit ambulanter Pflege und der Unterstützung der Familie gut zurecht.
Anders ist es, wenn jederzeit eine lebensbedrohliche Situation eintreten kann: etwa bei langen täglichen Beatmungszeiten, häufigem Absaugen von Sekret, einer Trachealkanüle oder wenn der Betroffene sich bei einem Maskenproblem nicht selbst helfen kann. Dann spricht das Gesetz von einem besonders hohen Bedarf an medizinischer Behandlungspflege. Für diese Situation gibt es den Anspruch auf außerklinische Intensivpflege nach § 37c SGB V.
Wie die Verordnung abläuft, welche Ärzte sie ausstellen dürfen und was die Krankenkasse prüft, erklären wir im Ratgeber zur AKI-Verordnung.
Alltag mit Atemnot: worauf es in der Pflege ankommt
Bei COPD entscheidet die Qualität der Pflege oft über die Frage, ob eine Krise früh erkannt wird. Pflegefachkräfte achten auf Veränderungen der Sauerstoffsättigung, der Atemfrequenz, der Hautfarbe und des Bewusstseins. Sie prüfen, ob die Maske dicht sitzt, ohne Druckstellen auf Nase und Stirn zu verursachen.
- Sekret lösen: Inhalationen, Lagerung und bei Bedarf Absaugen erleichtern das Abhusten.
- Kräfte einteilen: Körperpflege und Mobilisation werden in Pausen gegliedert, damit Atemnot nicht überhandnimmt.
- Ernährung: Viele Menschen mit schwerer COPD verlieren ungewollt Gewicht. Kleine, häufige Mahlzeiten sind oft leichter.
- Angst ernst nehmen: Atemnot macht Angst, Angst verstärkt Atemnot. Ruhige Begleitung und vertraute Abläufe helfen.
Ergänzend kann Atemphysiotherapie im Hausbesuch sinnvoll sein.
Zu Hause oder in der Intensiv-WG
Viele Menschen mit COPD möchten so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben. Die 1:1-Intensivpflege zu Hause macht das möglich, wenn die Wohnung genug Platz für Geräte, Pflegebett und Pflegekraft bietet und die Familie das Leben mit einem Pflegeteam im Haus mittragen kann.
Ist die eigene Wohnung zu eng, liegt sie im vierten Stock ohne Aufzug oder lebt der Betroffene allein, kann eine Intensivpflege-Wohngemeinschaft die bessere Lösung sein. Dort lebt jeder Bewohner im eigenen Zimmer mit eigenen Möbeln, die Fachpflege ist Tag und Nacht vor Ort.
Beide Wege sind Leistungsorte der außerklinischen Intensivpflege. Welche Kosten die Kranken- und Pflegekasse übernehmen, zeigt unser Kosten-Wegweiser.
Quellen
Allgemeine Information, Stand September 2026. Ersetzt keine ärztliche Beratung.





