Auf einen Blick
- Neuromuskuläre Erkrankungen betreffen die Muskeln selbst oder die Nerven, die sie steuern, dazu zählen Muskeldystrophien und die spinale Muskelatrophie (SMA).
- Viele dieser Erkrankungen sind genetisch bedingt und beginnen im Kindes- oder Jugendalter, andere treten erst im Erwachsenenalter auf.
- Wird die Atemmuskulatur schwächer, zeigt sich das häufig zuerst im Schlaf, eine nächtliche Maskenbeatmung kann dann entlasten.
- Ein schwacher Hustenstoß erhöht das Risiko für Lungenentzündungen, Hustenassistenten und Atemtherapie helfen, Sekret zu lösen.
- Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen führen oft ein aktives Leben mit Schule, Studium oder Beruf, die Pflege richtet sich nach ihrem Alltag.
Was neuromuskuläre Erkrankungen gemeinsam haben
Unter dem Begriff neuromuskuläre Erkrankungen fassen Ärzte eine große Gruppe unterschiedlicher Krankheiten zusammen. Bei manchen ist der Muskel selbst betroffen, zum Beispiel bei den Muskeldystrophien wie der Muskeldystrophie Duchenne. Bei anderen gehen die Nervenzellen zugrunde, die den Muskel ansteuern, etwa bei der spinalen Muskelatrophie (SMA).
Gemeinsam ist ihnen die fortschreitende Muskelschwäche. Sie kann Arme, Beine und Rumpf betreffen und im Verlauf auch die Muskeln für Atmen, Husten und Schlucken. Wie schnell das geschieht, ist je nach Erkrankung und Mensch sehr verschieden.
Für einige Erkrankungen wie die SMA gibt es inzwischen Therapien, die den Verlauf beeinflussen können. Die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke bietet einen guten Überblick über die einzelnen Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten.
Atemschwäche früh erkennen
Die Schwäche der Atemmuskulatur kommt bei neuromuskulären Erkrankungen oft schleichend. Weil viele Betroffene sich wenig körperlich anstrengen können, fällt Atemnot im Alltag lange nicht auf. Hinweise zeigen sich eher nachts:
- unruhiger Schlaf, häufiges Aufwachen oder Albträume
- Kopfschmerzen und Benommenheit am Morgen
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme am Tag
- häufigere oder langwierigere Atemwegsinfekte
Regelmäßige Kontrollen der Lungenfunktion und nächtliche Messungen in einem Beatmungszentrum helfen, den richtigen Zeitpunkt für eine Atemunterstützung zu finden. Eine nicht-invasive Beatmung über Maske, meist zunächst nachts, kann Schlaf und Tagesbefinden deutlich verbessern. Mehr dazu im Ratgeber Heimbeatmung.
Husten, Sekret und Infektschutz
Ein kräftiger Hustenstoß ist der wichtigste Schutz der Lunge. Bei geschwächter Muskulatur reicht er oft nicht mehr aus, um Schleim aus den Bronchien zu befördern. Dann können sich schon aus einem einfachen Schnupfen Lungenentzündungen entwickeln.
Deshalb gehört das Sekretmanagement zu den wichtigsten Aufgaben der Pflege bei neuromuskulären Erkrankungen. Dazu zählen Atemtherapie, manuell unterstützter Husten und der Einsatz eines Hustenassistenten. Dieses Gerät bläst zunächst Luft in die Lunge und saugt sie dann schnell wieder ab, so wird ein Hustenstoß nachgeahmt.
Bei Infekten steigt der Bedarf oft sprunghaft: häufiger husten, länger beatmen, genauer beobachten. Eine Pflegekraft, die den Menschen kennt, erkennt solche Veränderungen früh und hält engen Kontakt zu den behandelnden Ärzten.
Intensivpflege, die zum Leben passt
Viele Menschen mit Muskeldystrophie oder SMA sind trotz Beatmung mitten im Leben: Sie gehen zur Schule, studieren, arbeiten oder reisen. Die Pflege muss sich nach diesem Leben richten, nicht umgekehrt.
Wer sehr lange Beatmungszeiten hat, bei Maskenproblemen sich nicht selbst helfen kann oder eine Trachealkanüle trägt, hat unter Umständen Anspruch auf außerklinische Intensivpflege nach § 37c SGB V. Die 1:1-Intensivpflege begleitet dann auch unterwegs. Das Beatmungsgerät kommt am Rollstuhl mit.
Ist die Pflege zu Hause nicht oder nicht mehr möglich, zum Beispiel weil Eltern älter werden, kann eine Intensiv-WG mit eigenem Zimmer eine Alternative sein. Ergänzend unterstützt die außerklinische Beatmung bei allen Fragen rund um Geräte und Masken.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM): Neuromuskuläre Erkrankungen
- Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM): Spinale Muskelatrophie (SMA)
- DIGAB e. V.: Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Außerklinische Beatmung und Intensivversorgung
- Sozialgesetzbuch V, § 37c Außerklinische Intensivpflege (gesetze-im-internet.de)
Allgemeine Information, Stand September 2026. Ersetzt keine ärztliche Beratung.





