Pflege verstehen · 6 Min. Lesezeit

Weaning: Entwöhnung von der Beatmung verständlich erklärt

Was Weaning bedeutet, warum es manchmal Wochen dauert, wer entscheidet und was Pflege, Therapie und Angehörige zum Gelingen beitragen.

Stand 24. September 2026 · ipas24 Redaktion

Symbolbild, KI-generiert

Auf einen Blick

  • Weaning bezeichnet die schrittweise Entwöhnung von der maschinellen Beatmung zurück zur eigenen Atmung.
  • Dauert die Entwöhnung länger, spricht man von prolongiertem Weaning, das häufig in spezialisierten Weaning-Einheiten stattfindet.
  • Nach der AKI-Richtlinie muss bei beatmeten Menschen vor jeder Verordnung außerklinischer Intensivpflege das Weaningpotenzial ärztlich erhoben werden, in der Regel alle sechs Monate.
  • Atemtherapie, Mobilisation, gutes Sekretmanagement, Ernährung und Schlaf verbessern die Chancen auf eine erfolgreiche Entwöhnung.

„Weaning“ kommt aus dem Englischen und heißt wörtlich Entwöhnung. In der Medizin ist damit der Weg von der maschinellen Beatmung zurück zur eigenen Atmung gemeint. Für viele Familien ist das Wort mit großer Hoffnung verbunden. Dieser Beitrag erklärt, was dabei passiert, welche Faktoren über Erfolg entscheiden und warum Geduld dazugehört.

Warum Atmen verlernt werden kann

Wer lange beatmet wird, etwa nach einer schweren Lungenentzündung, einer Operation oder einer langen Zeit auf der Intensivstation, dessen Atemmuskulatur hat wochenlang wenig gearbeitet. Das Zwerchfell und die Hilfsmuskeln bauen ab, ähnlich wie Beinmuskeln nach langer Bettruhe. Dazu kommen oft Schwäche, Infekte, Herzprobleme oder Erkrankungen des Nervensystems. Die Lunge selbst kann ebenfalls geschädigt sein, etwa bei einer COPD.

Weaning ist deshalb vor allem Training: Die Atemmuskulatur wird schrittweise wieder belastet, ohne sie zu überfordern.

Kurzes und langes Weaning

Die meisten Menschen können nach einer Beatmung auf der Intensivstation rasch wieder selbst atmen. Bei einem Teil gelingt das nicht auf Anhieb. Man spricht dann von einem prolongierten Weaning, also einer verlängerten Entwöhnung. Sie kann Wochen oder Monate dauern und findet häufig in spezialisierten Weaning-Einheiten von Kliniken statt. Gelingt die Entwöhnung dort nicht vollständig, geht es mit Beatmung nach Hause oder in eine Intensiv-WG.

Wie Weaning praktisch abläuft

Den genauen Plan legen Ärztinnen und Ärzte fest. Typische Bausteine sind:

  • Spontanatmungsphasen: Die Beatmung wird für eine festgelegte Zeit reduziert oder abgenommen, anfangs vielleicht nur Minuten, später Stunden.
  • Anpassung der Geräteeinstellung: Die Unterstützung durch das Beatmungsgerät wird schrittweise verringert.
  • Erholungsphasen: Nach dem Training darf die Muskulatur sich unter Beatmung wieder erholen, oft nachts.
  • Kontrolle: Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Puls, Kohlendioxid im Blut und das Befinden werden eng beobachtet.

Fortschritte verlaufen selten geradlinig. Ein Infekt kann Wochen zurückwerfen. Das ist normal und kein Grund, aufzugeben.

Was das Weaning unterstützt

  • Atemtherapie und Physiotherapie: Übungen für Atemmuskulatur, Brustkorb und Haltung.
  • Mobilisation: Aufsitzen, an die Bettkante, in den Rollstuhl. Aufrecht atmet es sich leichter.
  • Sekretmanagement: Freie Atemwege entlasten die Atmung. Mehr dazu im Beitrag Absaugen erklärt.
  • Ernährung: Muskeln brauchen Energie und Eiweiß.
  • Schlaf und Tagesstruktur: Wer nachts gut schläft, hat tagsüber mehr Kraft.
  • Angstbegleitung: Atemnot macht Angst, Angst verschlechtert die Atmung. Ruhe und vertraute Gesichter helfen.

Auch Hilfsmittel spielen eine Rolle: Ein Sprechventil etwa kann, wenn es ärztlich erlaubt ist, die Atemwege trainieren und zugleich das Sprechen ermöglichen.

Die Rolle der Potenzialerhebung

Seit der Reform durch das IPReG ist das Weaning auch rechtlich in den Mittelpunkt gerückt. Nach der AKI-Richtlinie muss bei beatmeten Menschen vor jeder Verordnung außerklinischer Intensivpflege ärztlich geprüft werden, ob eine Entwöhnung möglich ist. Diese Potenzialerhebung wird in der Regel alle sechs Monate wiederholt. Ergibt sie ein Potenzial, soll die Entwöhnung angestoßen werden, etwa durch eine Einweisung in eine Weaning-Einheit.

Was die Pflege beiträgt

Pflegefachkräfte sind die Menschen, die rund um die Uhr am Bett sind. Sie bemerken, wenn jemand länger ohne Unterstützung zurechtkommt, kräftiger hustet oder unruhiger wird. Diese Beobachtungen werden dokumentiert und fließen in die ärztliche Beurteilung ein. Die Pflege setzt Spontanatmungsphasen nach ärztlicher Anordnung um, mobilisiert, sichert die Atemwege und bleibt ruhig, wenn es einmal nicht klappt.

Bei ipas24 versorgen wir Menschen mit invasiver Beatmung über Trachealkanüle, in der Intensiv-WG und im eigenen Zimmer mit 1:1-Pflege. Nicht-invasive Beatmung über Maske bieten wir nicht an. Therapeuten kommen zu Hausbesuchen. Mehr dazu auf der Seite Außerklinische Beatmung.

Was Angehörige tun können

  • Fragen Sie nach dem Ergebnis der letzten Potenzialerhebung und nach dem nächsten Termin.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Angehörigen über seine Wünsche und Ziele. Weaning ist anstrengend und gelingt besser, wenn es gewollt ist.
  • Feiern Sie kleine Schritte: zehn Minuten mehr ohne Gerät sind ein Erfolg.
  • Achten Sie auch auf sich. Lange Wege brauchen Kraft.

Haben Sie Fragen zur Beatmung Ihres Angehörigen? Rufen Sie uns an, Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr: 030 28665111.

Häufige Fragen

Kann Weaning auch zu Hause oder in der WG stattfinden?

Die eigentliche Entwöhnung wird ärztlich geplant und findet oft in spezialisierten Weaning-Einheiten statt. Zu Hause oder in der Intensiv-WG geht es meist darum, ein ärztlich festgelegtes Programm umzusetzen, Fortschritte zu beobachten und die Grundlagen zu stärken: Atemtherapie, Mobilisation, gutes Sekretmanagement.

Wer entscheidet, ob ein Weaningversuch gemacht wird?

Die Entscheidung treffen Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit dem Patienten oder seinem Vertreter. Grundlage ist unter anderem die Potenzialerhebung, die bei beatmeten Menschen vor jeder Verordnung außerklinischer Intensivpflege nötig ist.

Was passiert, wenn das Weaning nicht gelingt?

Dann bleibt die Beatmung, und das ist kein Versagen. Viele Menschen leben mit Beatmung ein erfülltes Leben. Die Chancen werden regelmäßig neu geprüft, denn der Zustand kann sich verändern.

Allgemeine Information nach Rechtsstand 24. September 2026. Sie ersetzt keine Beratung durch Ärztin oder Arzt, Kranken- oder Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt.

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