Pflege verstehen · 6 Min. Lesezeit

Absaugen bei Trachealkanüle: was dabei passiert und warum

Warum Menschen mit Trachealkanüle abgesaugt werden, woran man den Bedarf erkennt, wie das Absaugen abläuft und was hilft, es seltener zu brauchen.

Stand 24. September 2026 · ipas24 Redaktion

Symbolbild, KI-generiert

Auf einen Blick

  • Absaugen entfernt Sekret aus den Atemwegen, wenn ein Mensch mit Trachealkanüle es nicht ausreichend abhusten oder schlucken kann.
  • Abgesaugt wird nach Bedarf, erkennbar etwa an rasselnden Atemgeräuschen, sichtbarem Sekret oder sinkender Sauerstoffsättigung.
  • Ein einzelner Absaugvorgang dauert nur wenige Sekunden und wird unter hygienischen Bedingungen mit einem sterilen Katheter durchgeführt.
  • Befeuchtung, Inhalation, Lagerung, Atemtherapie und Mundpflege sorgen dafür, dass seltener abgesaugt werden muss.

Wer zum ersten Mal sieht, wie ein Mensch über seine Trachealkanüle abgesaugt wird, erschrickt oft. Das Geräusch des Geräts, der Husten, die Nähe: Das wirkt dramatisch. Tatsächlich ist Absaugen eine der häufigsten und wichtigsten Pflegemaßnahmen in der außerklinischen Intensivpflege. Wer versteht, warum sie nötig ist, kann gelassener damit umgehen.

Warum überhaupt abgesaugt werden muss

Unsere Atemwege bilden ständig Schleim, das sogenannte Sekret. Es fängt Staub und Keime ab. Gesunde Menschen befördern es unbemerkt nach oben und schlucken es oder husten es ab. Bei Menschen mit Trachealkanüle klappt das oft nicht ausreichend:

  • Der Hustenstoß ist schwach, weil die Muskulatur fehlt oder die Kanüle den Kehlkopf umgeht.
  • Der Schluckreflex ist gestört, Speichel läuft in die Atemwege.
  • Die Kanüle selbst reizt die Schleimhaut und kann die Sekretbildung verstärken.

Bleibt das Sekret liegen, wird die Atmung schwer, die Sauerstoffversorgung sinkt, und Keime können eine Lungenentzündung auslösen. Absaugen hält die Atemwege frei.

Woran man erkennt, dass abgesaugt werden muss

  • brodelnde oder rasselnde Atemgeräusche
  • sichtbares Sekret in der Kanüle
  • sinkende Sauerstoffsättigung am Messgerät
  • Alarm am Beatmungsgerät, zum Beispiel wegen steigender Drücke
  • Unruhe, Husten ohne Erfolg, schnelle Atmung
  • der Wunsch des Menschen selbst, wenn er sich äußern kann

Wie das Absaugen abläuft

Die genaue Technik legt die Pflegeplanung fest, orientiert an ärztlichen Anordnungen und Hygienestandards. Im Grundsatz geschieht Folgendes:

  1. Ankündigen: Die Pflegekraft erklärt, was sie tut, auch wenn der Mensch nicht antworten kann.
  2. Vorbereiten: Hände desinfizieren, Handschuhe anziehen, Absauggerät prüfen, einen frischen, sterilen Katheter bereitlegen.
  3. Absaugen: Der dünne Katheter wird ohne Sog in die Kanüle eingeführt, nur so tief wie festgelegt. Beim Herausziehen wird der Sog aktiviert. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden.
  4. Beobachten: Atmung, Sättigung und Befinden werden kontrolliert. Bei Bedarf wird nach einer Pause wiederholt.
  5. Dokumentieren: Menge, Farbe und Beschaffenheit des Sekrets geben Hinweise auf Infekte.

Bei beatmeten Menschen kommt häufig ein geschlossenes Absaugsystem zum Einsatz. Dabei bleibt der Beatmungskreislauf verbunden, und der Katheter liegt in einer Schutzhülle.

Wie Angehörige helfen können

Für viele Familien ist es schwer, beim Absaugen dabei zu sein. Sie dürfen den Raum verlassen, niemand erwartet, dass Sie zusehen. Wenn Sie bleiben möchten, helfen Sie oft schon durch Ihre Nähe: eine Hand halten, ruhig sprechen, nach dem Absaugen gemeinsam durchatmen. Erzählen Sie dem Pflegeteam auch, was Ihnen auffällt, etwa wenn Ihr Angehöriger unruhiger ist als sonst oder anders hustet. Sie kennen ihn am längsten, und Ihre Beobachtungen sind wertvoll.

Was das Sekret verrät

Klares, dünnes Sekret ist meist unproblematisch. Wird es gelb oder grün, zäh oder riecht es auffällig, kann ein Infekt dahinterstecken. Blutbeimengungen müssen abgeklärt werden. Diese Beobachtungen gibt die Pflege an die Ärztin oder den Arzt weiter.

Seltener absaugen: was hilft

Ziel ist nicht, möglichst oft abzusaugen, sondern möglichst selten absaugen zu müssen. Dazu gehört ein gutes Sekretmanagement:

  • Befeuchtung: Eine „künstliche Nase“ (HME-Filter) oder ein Befeuchter am Beatmungsgerät hält das Sekret flüssig.
  • Inhalation: nach ärztlicher Verordnung, etwa mit Kochsalzlösung.
  • Lagerung und Mobilisation: Bewegung und wechselnde Positionen lösen Sekret.
  • Atem- und Physiotherapie: Techniken, die das Abhusten erleichtern, bei Bedarf mit einer mechanischen Hustenhilfe.
  • Mundpflege: weniger Keime im Mund bedeuten weniger Keime in der Lunge.
  • Ausreichend Flüssigkeit: soweit ärztlich erlaubt.

Sicherheit rund um die Uhr

Absaugen ist Behandlungspflege und gehört in geschulte Hände. Deshalb ist bei Menschen mit hohem Bedarf die ständige Anwesenheit einer Pflegefachkraft so wichtig. Am Bett stehen immer ein funktionsfähiges Absauggerät, Ersatzkatheter und das Notfallset mit Ersatzkanüle bereit. Für unterwegs gibt es tragbare Geräte mit Akku.

In unserer Intensiv-WG in Niederschönhausen gibt es spezielle Zimmer für Menschen mit Trachealkanüle, und auch in der 1:1-Versorgung zu Hause gehört das Trachealkanülen-Management zu unseren Kernaufgaben. Grundlagen zur Kanüle finden Sie im Beitrag Leben mit Trachealkanüle. Fragen beantworten wir Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr unter 030 28665111.

Häufige Fragen

Tut Absaugen weh?

Absaugen ist unangenehm und löst oft Husten aus. Schmerzhaft sein sollte es nicht. Fachkräfte arbeiten zügig, schonend und nur so tief wie nötig, und sie kündigen jeden Schritt an.

Wie oft muss abgesaugt werden?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen brauchen es selten, andere mehrmals pro Stunde, etwa bei einem Infekt. Abgesaugt wird nach Bedarf, nicht nach der Uhr.

Dürfen Angehörige absaugen?

Angehörige können nach Anleitung und Schulung lernen, im Mund- und Rachenraum oder über die Kanüle abzusaugen. In der außerklinischen Intensivpflege übernimmt das in der Regel die Pflegefachkraft, die ständig vor Ort ist.

Allgemeine Information nach Rechtsstand 24. September 2026. Sie ersetzt keine Beratung durch Ärztin oder Arzt, Kranken- oder Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt.

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